Maria – Junge Frau oder Jungfrau – Mutter Jesu oder Muttergottes

Der Leiter einer Bibelschule am See Genezareth sagte in einem Interview: „Die Menschen wollen immer die Stelle sehen, an der Jesus über den See gelaufen ist. Keiner interessiert sich für die Stelle, an der er schwimmen gelernt hat.“

Was er damit ausdrücken wollte, ist die Neigung, bei Jesus eher den Sohn Gottes als den Sohn Josefs zu sehen.

Gottesgebärerin, Mutter der Kirche, Gottesmutter, Mutter von der immerwährenden Hilfe, Maria Königin, um nur einige der Titel zu nennen, die für Maria verwendet werden. Titel, die den Menschen Maria weit wegrücken. Mir scheint es manchmal, dass hinter diesem großen Namen der Mensch ganz verschwindet und irgendwie die Bodenhaftung verloren geht. Wir sollten doch alle geerdet sein.

Die folgenden Gedanken zeigen den Menschen Maria, an dem Großes getan worden ist, auch als junge Frau und Mutter Jesu. Ich stelle mir vor, Maria, dass du jung warst. Lebendig und voller Fragen. Das du mit anderen Mädchen und Frauen am Brunnen lachtest, deine Träume und Wünsche erzähltest.

Du wurdest mit Josef verlobt. Ob du glücklich warst, wissen wir nicht, doch du maltest dir sicher dein Leben aus, wie alle anderen junge Frauen. 

Die Hochzeit, das Eins-Sein mit Josef, Kinder, Arbeit, Nachbarn, Feste – Alles in Glauben an Gott geregelt. Doch ER klopfte plötzlich an. Du ließest ihn ein, und alles hat sich geändert. Ich stelle mir vor Maria, dass dir oft elend war nach dem Ja, dass du es am liebsten zurückgeholt hättest, auch später, als keiner mehr über eure Vorurteile klatschte; auch dann, als Jesus erwachsen wurde. Dass du durchgehalten hast, Maria, ich staune! Wenn ich dich so vor mir sehe, Maria, als Mensch, der sein Ja immer mühsam erneuern muss, hast du mir vieles zu sagen.

Ich grüße dich Maria, Mädchen aus Nazareth, und deinen Sohn, Jesus. Ich grüße dich, Mutter Gottes!

Einen gesegneten Mai wünscht Ihnen Diakon Hanspeter Imhof