Die großen Tage liegen dicht beieinander – und doch gehen sie oft schnell an uns vorbei. Ostern mit seinem überwältigenden Ruf des Lebens. Die Erstkommunionfeiern mit ihrer berührenden Mischung aus Aufregung, Ernst und kindlicher Freude. Und schon richten wir den Blick nach vorn: Christi Himmelfahrt, Pfingsten, Fronleichnam.
Vielleicht wirkt diese Zeit wie eine Abfolge einzelner Feste. Aber in Wahrheit erzählt sie eine einzige Bewegung.
Ostern ist kein Schlusspunkt. Es ist ein Anfang. Ein leiser, aber kraftvoller Umbruch: Das Leben setzt sich durch – nicht laut, nicht spektakulär, sondern unaufhaltsam.
Bei den Erstkommunionkindern konnten wir etwas davon sehen. Da ist dieses Staunen: Dass Gott nicht fern bleibt, sondern sich schenkt – ganz konkret, im Brot, in der Gemeinschaft. Für viele von uns liegt dieser Moment lange zurück. Aber vielleicht ist genau jetzt die Zeit, sich daran zu erinnern, wie es sich anfühlt, mit offenen Händen zu empfangen, ohne alles erklären zu müssen.
Und dann geht es weiter.
An Christi Himmelfahrt scheint Jesus sich zu entziehen. Er ist nicht mehr greifbar, nicht mehr sichtbar wie zuvor. Vielleicht kennen wir solche Erfahrungen auch: Dass Gott sich nicht festhalten lässt, dass Antworten ausbleiben, dass der Glaube eher eine leise Ahnung ist als eine Gewissheit. Himmelfahrt lädt ein, genau darin Vertrauen zu wagen – nicht, weil alles klar ist, sondern obwohl es offen bleibt.
Pfingsten bringt Bewegung hinein. Der Geist Gottes ist kein ruhiger Besitz, sondern eine Kraft, die aufrüttelt, die verbindet, die manchmal sogar durcheinanderwirbelt. Und Fronleichnam schließlich macht sichtbar, was wir empfangen haben: Wir tragen den Glauben hinaus – nicht als fertige Antwort, sondern als lebendige Spur.
Vielleicht liegt darin der rote Faden dieser Wochen: Glaube will nicht stehen bleiben. Er will sich verwandeln – und durch uns hindurch weitergehen.
Vielleicht zeigt sich Glaube…
… wenn jemand den Mut hat, in einer Diskussion nicht das letzte Wort haben zu müssen.
… wenn ich bewusst darauf verzichte, sofort mein Handy zu zücken, und stattdessen den Moment aushalte – auch wenn er leer oder unangenehm wirkt.
… wenn ich einem Menschen, den ich eigentlich längst „abgestempelt“ habe, innerlich noch einmal eine neue Chance gebe.
… wenn ich mir selbst zugestehe, nicht perfekt sein zu müssen – und trotzdem nicht aufhöre, das Gute zu suchen.
… wenn ich in einer Welt voller schneller Urteile einen zweiten Blick wage.
… wenn ich einem Zweifel nicht ausweiche, sondern ihn ernst nehme – im Vertrauen, dass auch darin Gott wirken kann.
… wenn ich Schönheit wahrnehme, wo andere achtlos vorbeigehen: Im Unscheinbaren, im Alltäglichen, im Unvollkommenen.
Das sind keine großen Gesten. Aber vielleicht genau die Orte, an denen sich zeigt, dass Ostern weiterwirkt.
Die Erstkommunionkinder erinnern uns daran, wie es beginnt: mit Offenheit.
Himmelfahrt erinnert uns daran, dass wir nicht alles festhalten können.
Pfingsten schenkt den Mut, sich bewegen zu lassen.
Und Fronleichnam lädt uns ein, das Empfangene nicht für uns zu behalten.
So entsteht ein Weg – kein gerader, kein perfekter, aber ein lebendiger.
Vielleicht kann uns in dieser Zeit ein einfacher Gedanke begleiten:
Glaube ist nicht das, was ich „habe“.
Glaube ist das, was durch mich hindurch geschehen darf.
Möge diese österliche Zeit uns dafür empfänglich machen.
Herzliche Grüße
Markus Müller
Gemeindereferent