In dem Film aus dem Jahre 1959, mit dem gleichnamigen Titel, erlangt Heinz Rühmann die Fähigkeit, durch Wände zu gehen. Das ist recht praktisch und erspart manchen Umweg. Klingeln oder an der Türe klopfen, wenn man zum Nachbar will: Vollkommen uninteressant. Man geht einfach durch die Wand und schon ist man da. Das Überraschungsmoment ist natürlich auf der Seite dessen, der diese Fähigkeit besitzt.
So erzählt dieser Film die Geschichte eines kleinen Steuerbeamten, der aus heiterem Himmel in die Lage versetzt wird, durch Wände gehen zu können. Das stiftet natürlich allerhand Verwirrung, führt aber letztendlich auch zu einem großen Happy-End.
Würden Sie gerne diese Fähigkeit besitzen? Ist die Versuchung nicht groß, einfach den Nachbarn bzw. die Nachbarin zu überraschen und nachzuschauen, wie es dort aussieht und was der- oder diejenige gerade so macht? Man ist ja nicht neugierig, aber interessieren würde es einen schon. Sei es auch nur, um kurz Hallo zu sagen und den anderen vielleicht etwas zu erschrecken. Viel interessanter wäre allerdings die Fähigkeit, nicht nur durch Wände gehen zu können, sondern auch in den Kopf eines Menschen hineinschauen zu können.
Dann würde man endlich einmal wissen, ob derjenige das auch denkt, was er sagt bzw. das, was er über mich sagt, auch das ist, was er über mich denkt.
Wie gern würden wir doch in den Kopf mancher Menschen, vielleicht auch mancher Politiker, schauen, um zu sehen, was da los ist. Was in manchen Köpfen vor sich geht. Wir können es nicht, Gott sei Dank. Nicht umsonst heißt es in einem Lied: Die Gedanken sind frei…
Das Maskieren in der Fastenzeit wird gerne dazu genutzt, in die Rolle eines anderen zu schlüpfen. Gewissermaßen den Schutz einer zweiten Identität um sich zu bauen, so, dass keiner genau wissen kann, wer letztendlich sich hinter dieser Maske bzw. Maskierung (ver-)steckt.
Am Aschermittwoch ist alles vorbei, da fallen alle Masken und zurück bleibt der, der man ist.
Wenn wir ehrlich sind, dann gibt es jetzt auch immer Masken bzw. Wände, die wir um uns herum errichten, um zu schützen oder ein Bild von uns zu geben, dass wir aber nicht sind. In der Zeit der Vorbereitung auf Ostern sind wir nun eingeladen, gewissermaßen durch unsere eigenen Wände zu gehen und dem nachzuspüren, was wir sind.
Es ist nicht einfach, diese Mauern zu sehen – noch schwerer ist es, an diesen Mauern zu arbeiten. Deswegen heißt die Fasten-zeit auch österliche Bußzeit. Damit wir in der Lage sind, nicht nur den Splitter im Auge des Bruders zu sehen, sondern auch den Balken im eigenen Auge.
In diesem Sinne wünsche ich Ihnen im Namen des Pastoral-Teams eine gesegnete österliche Bußzeit und den Mut, eigene Mauern einzureißen.
Hanspeter Imhoff, Diakon
Bild: Pfarrbriefservice